Selbsttest machen: Wann wird Alkoholkonsum zur Sucht?

„Ich kann auch ohne Alkohol Spaß haben“ – das behaupten viele von sich. Wer gerne mal ein Glas Wein oder Bier trinkt, sollte sich das aber auch regelmäßig beweisen und auf Alkohol verzichten. „Einfach mal vier Wochen aufhören und feststellen, ob ich es vermisse“, sagte Reinhard Lahme vom Suchthilfeverband Blaues Kreuz in Deutschland. „Damit man spürt, ob man auch ohne Alkohol leben kann.“ Denn ein Glas Wein am Abend stelle zwar für den Körper keine Gefahr dar. Allerdings könne auf diese Weise eine seelische Abhängigkeit beginnen, die das Potenzial habe, zur körperlichen heranzuwachsen.

Außerdem sollten sich Personen, die regelmäßig kleine Mengen Alkohol trinken, klarmachen, wozu sie trinken: „Was wollte ich erreichen?“, fragt Lahme. Wenn der Alkohol helfen soll, Sorgen zu verlieren, entspannter und fröhlicher zu sein oder ein Mädchen leichter ansprechen zu können, seien das Risikofaktoren für eine seelische Abhängigkeit.

Wie viel Alkohol ist unbedenklich?

Diese sogenannten Erleichterungstrinker spüren bei Alkoholverzicht keine Symptome. Kribbeln in den Fingern oder Schweißausbrüche treten erst bei körperlicher Sucht auf. Allerdings droht den Erleichterungstrinkern die körperliche Abhängigkeit als Konsequenz ihres Verhaltens: „Wenn ich heute eine Einheit Alkohol brauche, um mein Ziel zu erreichen, brauche ich morgen zwei Einheiten, dann drei“, erläutert Lahme.

Eine Einheit besteht aus rund neun Gramm reinem Alkohol – das entspricht in etwa einem Glas Bier oder Wein. Für Frauen werde ein Glas, für Männer werden zwei pro Tag als körperlich unbedenklich angesehen – vorausgesetzt, sie verzichten auch regelmäßig, mindestens zwei Tage pro Woche.

Kinder gucken Umgang mit Alkohol ab

Kinder gucken sich den Umgang mit Alkohol teils von den Eltern ab. Deshalb müssen Eltern den richtigen Umgang vorleben – vor allem auf Feiern. Kinder dürften nicht denken, dass jede Geburtstagsfeier nur mit Alkohol in Stimmung komme, erklärt Lahme. Stattdessen sollten Eltern zeigen: „Man kann auch alkoholfrei feiern.“ Deswegen verzichten sie auf Feiern am besten regelmäßig demonstrativ auf Alkohol.

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl jugendlicher Komasäufer extrem gestiegen. Wurden 2001 noch 11.466 Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren wegen Alkoholkonsums im Krankenhaus behandelt, waren es 2011 schon rund 26.349. Damit lag der jüngste Wert allerdings leicht unter dem aus dem Jahr 2009 (26.428). Kinder im frühen Alter am Bier nippen zu lassen, um sie abzuschrecken, habe keinen Effekt, so Lahme. Zwar schmecke es ihnen dann nicht – aber das halte nur eine gewisse Zeit. „Irgendwann schmeckt’s.“

Deutsche trinken rund 10 Liter reinen Alkohol im Jahr

Erschreckend sind auch aktuelle Zahlen zu den Trinkgewohnheiten aller Altersgruppen: Eine Badewanne voll alkoholischer Getränke hat jeder Mensch in Deutschland 2011 im Schnitt konsumiert: 136,9 Liter Bier, Wein, Schaumwein oder Spirituosen nennt das Jahrbuch Sucht 2013, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) am 3. April präsentierte. Umgerechnet trank damit jeder Bürger rund 9,6 Liter reinen Alkohols – genauso viel wie im Vorjahr. Damit liegt Deutschland im Europavergleich auf Platz 13 von 34. Experten warnen davor, den Alkoholkonsum zu verharmlosen.

Quelle

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